Jacobus Greselius

Jakob Gresel

1989, zwanzig Jahre nach seiner Gründung, erhielt das Bramscher Gymnasium den Namen Greselius-Gymnasium, nach dem Bramscher Humanisten, der, obwohl er die meiste Zeit seines Lebens in Köln und Rees am Niederrhein verbrachte, die Verbindung zu seiner Heimat aber nie abreißen ließ.

In seinem 1552 verfassten Testament, das u.a. Stiftungen zugunsten Bedürftiger vorsah, verfügte er die Gründung einer Lateinschule für Jungen und Mädchen in Bramsche und sicherte sie finanziell ab.

In der Tradition der humanistischen Erziehungs- und Bildungsverständnis, was auch durch die Latinisierung des Namens zum Ausdruck gebracht wurde, sieht sich das Bramscher Gymnasium.

 

Lebenslauf

um 1485 geboren im Hedemannskotten (heute: Hof Grünegras, gegenüber Hotel Surendorff),
Schulbesuch (Gymnasium Carolinum und wahrscheinlich Domschule zu Münster)

1501 Immatrikulation an der Artistenfakultät der Universität Köln,
Mitglied der Cornelianer-Burse (Burse: studentische Lebens-, Wohn- und Studiergemeinschaft)

1503 Promotion zum Baccalaureus (~Abitur, niedrigster akademischer Grad)

1504 Magister Artium (höchster Grad der Artistenfakultät, Lehrbefugnis)

1506 Professor, Aufnahme in den Rat der Artistenfakultät (~Gymnasiallehrer)

1506-1511 Examinator (Prüfer für Baccalaureats- und Magisterprüfungen)

1511 Dekan (Fakultätsvorsteher der Artistenfakultät)

1517-1533 keine Hinweise auf Gresels Tätigkeit

1533-1535 Umzug nach Rees

1535 Vikar, Scholastikus (Vorsteher) und Kanonikus (Stiftsgeistlicher)

1.6.1551 Testament

13.1.1552 Tod in Rees

 

Wissenschaftliche Bedeutung

Originaltexte von Greselius sind - ausgenommen sein Testament - noch nicht aufgefunden worden. Zur Einschätzung seiner wissenschaftlichen Bedeutung muss auf Sekundärtexte zurückgegriffen werden. So führen Krafft/Crecelius in den "Beiträgen zur Geschichte des Humanismus in Rheinland und Westphalen" über die Bursa Corneliana der Kölner Artistenfakultät, der Greselius angehörte, aus: "Die Bursa Corneliana zu Köln [...] hatte ausgezeichnete Lehrer der humanistischen Richtung. [...] Ferner ist zu nennen Jacobus Greselius, geboren zu Bramsche bei Osnabrück. Er wurde im Jahre 1506 Mitglied der consilii facultatis." In der Vorrede zu seinem Gedicht "Tobias" schreibt Johannes Caesarius: "Der berühmteste Lehrer der Bursa Corneliana war der bekannte Jacob Sobius [...], an der damals u.a. J. Gruther und J. Greselius als hochrangige Lehrer wirkten. Im März 1516 wurde [Sobius] in Köln unter dem Vorsitze seines Lehrers Greselius zum Magister promoviert..." In Hamelmanns Würdigung des Werkes von H. Buschius heißt es (in deutscher Übersetzung des lateinischen Textes): "...und dann begann in dem selben Sinne der Philosophie wie [Buschius] in der Poesie Caesarius zu lehren, auf den Jacobus Greselius aus Westfalen folgte, der nach dem Zeugnis des Caesarius die [antiken] Schriftsteller nicht aus die gewöhnliche Weise, sondern mit der Anmut der Beredsamkeit zu zitieren verstand..." An anderer Stelle (in deutscher Übersetzung): "...Inzwischen kamen bald nach dem Weggang von Buschius nach Köln Georgius Subitus, Professor für Rhetorik, Johannes Caesarius, Professor für Philosophie und Jacobus Greselius, Professor für Dialetik, als Vertreter einer klaren Richtung, und sie setzten in der Akademie neue Zeichen bezüglich der zu entfernenden Barbarei (d.h. dem aus humanistischer Sicht grausamen Kirchenlatein), obwohl sie bis dahin (auf diesem Gebiet) wenig auszurichten vermocht hatten." Und weiter: "...(Gratius) schrieb vieles, und nachdem er vor 50 Jahren unter hervorragenden Leuten gewesen war, nämlich Jacobus Greselius, den Professoren der Kölner Akademie,..." Bei seiner Aufzählung der herausragenden Persönlichkeiten schreibt Hamelmann über Greselius (in deutscher Übersetztung): "...Jacobus Greselius aus Bramsche bei Osnabrück, ein berühmter Professor der Künste einst in der Bursa Corneliana zu Köln vor 50 Jahren, dessen Gedichte und Epigramme (Kurzgeschichten), besonders die aristotelischen, die die ich in der Empfehlung verschiedener Werke, die damals erschienen, gesehen habe; Johannes Caesarius nennt jenen in einem gewissen Brief, den ich bald erwähnen werde, einen pflichtbewußten Professor der freien Künste und sagt, dass er nicht auf eine gewöhnliche Art die Guten Schriftsteller erklärt, sondern gemäß seiner Verständigung der Auffassungsgabe seiner Zuhörer und den Bedingungen der Zeit. Außerdem habe derselbe Greselius die Beredsamkeit mit der Philosophie verbunden..."

 

Stiftungen

Einkünfte des JACOBUS Greselius

  1. Professorengehalt in Köln
  2. Einkünfte aus seiner Lehr und Vikarstätigkeit in Rees
  3. Erträge aus seinen drei Lehnshöfen
  4. Einnahmen aus Rentenbriefen
  5. Haus in der Lohstraße in Osnabrück

Diese ermöglichten ihn folgende Stiftungen:

  • Schule: für die Bereitstellung eines Schulgebäudes "up den Spicke upm Karckhaue tho Bramesche"
  • Einmalige Stiftung für Arme in Bramsche
  • Siechenhaus in Bramsche
  • Hinterlassenschaft für die Familie

 

Zur Schulsituation zur Zeit des Jacobus Greselius

Um 1500 war fast jede größere Stadt mit einer Lateinschule ausgestattet, die in der Regel einer Kirche, einem Stift oder einem Kloster angegliedert war. In zunehmendem Maße schickte das wohlhabendere Bürgertum seine Kinder auf Schulen und die Söhne außerdem auf Universitäten. Eine völlig andere Situation findet man in den ländlichen Gegenden vor - hier lebte der weitaus größere Teil der damaligen Bevölkerung - , wo die kleinen Kirchspiele - wie Bramsche - nicht die finanziellen Mittel aufbringen konnten, eine Institution "Schule" zu bezahlen. Die meisten Schulen im Osnabrücker Nordland sind nach Gründung von Klöstern und Stiften seit dem ausgehenden 12. Jahrhundert errichtet worden, um den geistlichen Nachwuchs heranzubilden. Es wurden aber nicht in allen Pfarrorten mit der Errichtung einer Kirche Schulen eingerichtet. Die Zurückverlegung des St. Sylverstifts nach Quackenbrück (gegründet 1235, Gründer einer Lateinschule, aus der das Artland-Gymnasium hervorgegangen ist), nachdem dies von 1276 bis 1489 in Bramsche residiert hatte, schränkte die Bildungsmöglichkeiten in Bramsche stark ein. Es ist denkbar, dass sich in der Folgezeit eine sogenannte "Künstlerschule" mit sehr unregelmäßig erteiltem Unterricht herausgebildet haben mag. In dieser Übergangsphase müssen die Fähigkeiten des jungen Jacob Gresel vom Ortsgeistlichen wohl so weit erkannt und gefördert worden sein, dass dieser die vorher beschriebene akademische Laufbahn einschlagen konnte. Da er schon bald eingesehen haben wird, dass für den jeweiligen Küster der Anreiz, regelmäßig Schule zu halten, infolge des geringen Verdienstes zu niedrig war, sah sich der in Köln herangereifte Professor Jacobus Greselius wohl schon frühzeitig veranlasst, in Bramsche eine Schulstiftung einzurichten.

 

Zur Schulstiftung

In seinem umfangreichen Testament hat Greselius detailliert die Art des Unterrichts, die Mitwirkung von Lehrern und Schülern im Gottesdienst sowie die Bedingungen zur Einstellung und Entlassung der Lehrer festgelegt (Auszüge):

Die Kinder sollen die ersten Grundlagen in Latein, im Gesang sowie Lesen und Schreiben in Deutsch lernen. Jeder Unterrichtstag soll mit Gesang beginnen. Am Abend, ehe man heimging, solle der Lehrer mit den Jungen für die Seelen aller Christen beten. Der Schulmeister solle an Sonn- und Feiertagen mit den Jungen für Gesang im Gottesdienst verantwortlich sein. Der Schulmeister solle ein ehrenhaftes Leben führen wie die Geistlichen des Domkapitels in Osnabrück. Er solle für die verstorbenen Eltern und Freunde des Jacobus Greselius beten, später nach seinem Tode auch für ihn selbst. Die Schulmeister sollen aus der Nachkommenschaft der Eltern des Jacobus Greselius ausgesucht und gewählt werden. Der ausgesuchte Schulmeister solle erst vom Pastor zu Bramsche geprüft werden, ob er wohl passend und der lateinischen Sprache mächtig, des Gesangs, des Lesens und Schreibens kundig wäre und ob er auch Verträge wie ein Notar aufsetzen könne. Sofern Mängel auf einem der angeführten Gebiete vom Pastor erkannt würden, solle er von diesem abgelehnt und ein neuer vorgeschlagen werden. Der geprüfte und angenommene Schulmeister solle vor dem Pastor im Beisein der Provisoren geloben und schwören, dass er sein Schulamt treu und fleißig wahrnehmen werde. Wenn er nicht aus der Familie Gresel stamme, müsse er geloben, sofern er heiraten wolle, ein Mädchen aus der Familie Gresel zu nehmen. Solle er "dessen vergeßlich" sein, sei er abzusetzen. Nach der Eheschließung solle er sich Greselius oder Chreselius nennen. Ebenso sollen zwölf Goldgulden für zwei oder drei Jungen bereitgehalten werden. Sie sollen an einer berühmten Schule auf Rechtsgebiet wie Osnabrück, Münster, Emmerich oder Deventer studieren können. Wenn ein Schüler besonders begabt sei, dann solle er eine Zeitlang die doppelte Unterstützung genießen, um so eine blühende Akademie zu besuchen oder ein Universitätsstudium zu beginnen. Seine Eltern sollen etwas dazu beisteuern und er selbst soll sparsam leben. Ebenso sollen zwanzig Goldgulden in jedem Jahr für einen Rechtsgelehrten aus der Greselschen Familie sein. Er solle sich zwei- bis dreimal in der Woche üben, indem er in Osnabrück Vorlesungen halte über die herrschaftlichen Institutionen, die Satzungen beider Rechte, über die Bedeutung der Begriffe, über ordentliches und deutliches Vortragen und über die Weitergabe der Grundlagen des Rechts, wie man andere Leute belehrt und ein Schriftstück abfasst. Dabei solle er sich aller unnützen und aller weiterschweifigen Erklärungen enthalten, so dass er innerhalb von drei Jahren oder schon eher die Institution beenden kann. Da seine Unterstützung jedoch nur gering ist, dürfe er von seinen Zuhörern Geld fordern. Finde sich in der Greselschen Familie niemand, der dazu geeignet ist, so solle jemand, der dazu noch geeigneter ist, ausgewählt und so früh wie möglich zu einer Universität zum Lernen geschickt werden, auch bis zu einem Zeitraum von drei Jahren. Dort solle er eine jährliche Unterstützung genießen, mit dem Grad des Baccalaureus abschließen und so als befähigter Mann wieder fortgehen. Wenn er seine Einkünfte jedoch unnütz verschwendet habe, so müsse er sie zurückerstatten.