Keine Politikverdrossenheit bei der Jugend. Dies stellten die fünf (ausschließlich männlichen) Kandidaten für den Kreistag, die sich am 8. September auf Einladung der Schülervertretung (SV) im Greselius-Gymnasium zu einer Podiumsdiskussion trafen, in ihrem Schlussfazit merklich überrascht fest. Das Publikum, etwa 400 Jugendliche ab Jahrgang 10 aus IGS und Gymnasium, hatte im Vorfeld Themen bzw. Fragen bei der SV eingereicht, zu denen sie sich klare Positionierungen der Vertreter der sechs eingeladenen Parteien erhofften. Souverän vorbereitet und moderiert wurde die Veranstaltung von Justus Vonstrohe und Thale Flor da Silva.
Andreas Quebbemann (CDU), Conrad Bramm (FDP), Berndt Wittenbrink (Bündnis 90 / die Grünen), Felix Unterderweide (SPD) und Markus Sommer (Linke) nahmen die Herausforderung an und stellten sich u.a. den Fragen zur Mobilität (insbesondere dem Lütti, dessen Fortführung aus Kostengründen fraglich ist), der Förderung der Landkreisschulen, Maßnahmen, um der prekären Finanzlage des Landkreises entgegenzuwirken, und dem Engagement für lokale Jugendtreffpunkte ohne Konsumzwang. Dies wird von den Anwesenden als großes Manko in Bramsche angesehen. Ehrenamt, Jugendparlament, Sport- und andere Vereine stärken waren die Antworten darauf. Quebbemann hingegen setzte auf „umsonst und draußen – Konzerte“ für die Jugend in der Fußgängerzone, anstatt diese nur auf Publikum ab 40 auszurichten. Und ansonsten: „Der Jugend zuhören“.
Dass die Parteienvertreter sich in der Frage der Schulförderung nicht einig sind, wurde schnell klar, glitt doch das Gespräch spontan in Statements zur 2. Oberstufe in Bramsche als „Chance“ bzw. „Geldverschwendung“ ab. Allerdings ist im Kreistag die Entscheidung längst getroffen, die Argumente sind bekannt und spielen für die kommende Wahl keine Rolle mehr. Wie die Kooperation in der Oberstufe vom Landkreis als Schulträger unterstützt werden könnte, darauf blieben die Kandidaten eine Antwort schuldig.
Einigkeit herrschte dagegen beim Thema Demokratieförderung, Umgang mit Radikalismus und dem Ausschluss der Zusammenarbeit mit der AfD. Diese hatte die Einladung der SV zur Podiumsdiskussion erst gar nicht angenommen, ihr Stuhl blieb im Podium leer. Entsprechend war auch die Faktencheck-Gruppe der SV wenig gefordert.
Minijobs fördern, Leerstände in der Bramscher Innenstadt angehen, Umgang mit „endlosen“ Baustellen und der Blick auf das, was im Landkreis gut läuft, waren weitere Zuschaueranliegen. Grundsätzlich positiv sahen alle Anwesenden das ehrenamtliche Engagement in Vereinen und die parteiübergreifende Zusammenarbeit in wichtigen Fragen als große Pluspunkte für den Landkreis. Und natürlich „die Vielfalt unserer Schulen und die vielen Freiheiten, die wir hier haben“, unterstrich Wittenbrink. Für Sommer ist auch der Einsatz im Bereich Umweltschutz „innovativ“.
Da viele Ausführungen, zwar zeitlich durch die „Klingel“ der Moderatoren streng begrenzt, aber dennoch recht ausweichend waren, mussten die fünf Politiker am Ende nonverbal Stellung beziehen, indem sie per Ja/Nein-Schild Fragen nach Inklusion, Einsatz für lokale Krankenhäuser und Landärzte, verpflichtendem Gendern in Landkreisdokumenten, Kreisverkehre, Fahrradstraßen und kostenlose VOS-Tickets für Oberstufenschüler:innen, stärkerer Verpflichtung des Landkreises zum Klimaschutz, Videoüberwachung öffentlicher Plätze, mehr Windkraftanlagen, Gewerbegebiete und sozialen Wohnungsbau unmissverständlich beantworteten.
Hier zeigte sich ein eindeutiges Bild, das zwischen Einigkeit aller Parteienvertreter und einer Zweiteilung, die bereits durch die Sitzordnung auf dem Podium suggeriert wurde (CDU/FDP vs. SPD, Grüne, Linke), wechselte. Für die anwesenden Schüler:innen ein klares Bild, mit dem sie am kommenden Wochenende zu ihrer „ersten Wahl“ gehen.
(Rita Cremering)


