Zwischen Therapie, Gutachten und Kriminalität – Einblicke in die Forensische Psychologie

Ein Tonleguan, gegossen von einem Drogenboss, gebrannt von einem erpresserischen Menschenhändler und bemalt von einem zweifachen Mörder: Dieses ungewöhnliche Geschenk von Patienten gehört wohl nicht zum Alltag eines jeden Psychologen. Für einen forensischen Psychologen sind Begegnungen mit Menschen, die schwere Straftaten begangen haben, hingegen Teil des Berufsalltags.

Was passiert mit Straftätern, die aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht oder nur eingeschränkt schuldfähig sind? Wie wird eingeschätzt, ob von einer Person weiterhin eine Gefahr ausgeht? Und wie sieht der Arbeitsalltag eines forensischen Psychologen eigentlich aus? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gab ein forensischer Psychologe, der als Referent zu einem Workshop des Seminarfachs Forensik von Frau Huber eingeladen war.

Zu Beginn wurde geklärt, was Forensik überhaupt bedeutet. Dabei wurde deutlich, dass die Rechtspsychologie weit mehr umfasst als die aus Filmen bekannte Täterjagd. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Beurteilung der Schuldfähigkeit, die Einschätzung von Gefährlichkeit, die Erstellung psychologischer Gutachten sowie die Arbeit im Justiz- und Maßregelvollzug.

Ein weiterer Schwerpunkt des Workshops war die Kriminalprognose. Anschließend durften die Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden. Mithilfe des Prognoseinstruments VRAG (Violence Risk Appraisal Guide) analysierten sie verschiedene Fallbeispiele und schätzten das Rückfallrisiko der jeweiligen Personen ein. Besonders eindrucksvoll war dabei die Erkenntnis, dass die Schwere einer Straftat nicht automatisch etwas über die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls aussagt. So wurde das Rückfallrisiko eines Mannes, der seine Mutter während einer paranoiden Schizophrenie mit einem Samuraischwert getötet hatte, vergleichsweise gering eingeschätzt. Ein Mann mit dissozialer Persönlichkeitsstörung und Alkoholabhängigkeit, der einen Totschlag lediglich versucht hatte, wies dagegen ein deutlich höheres Rückfallrisiko auf.

Neben den Fallbeispielen erhielten die Teilnehmenden auch Einblicke in die therapeutische Arbeit. In einer praktischen Übung sollten sie einen Therapieraum gestalten und dabei überlegen, welche Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden müssen. Schnell wurde deutlich, dass auch scheinbar kleine Details, etwa die Sitzordnung oder Gegenstände im Raum, eine wichtige Rolle spielen können.

Der Workshop machte deutlich, dass die Forensische Psychologie weit mehr ist als die Klischees, die häufig in Filmen oder Medien vermittelt werden. Durch die Mischung aus Fachwissen, Fallbeispielen, praktischen Übungen und persönlichen Erfahrungen erhielten die Schülerinnen und Schüler einen realistischen Einblick in ein spannendes und zugleich anspruchsvolles Berufsfeld.

Ein herzlicher Dank gilt unserem Referenten für den informativen und abwechslungsreichen Workshop sowie die vielen interessanten Einblicke in seine Arbeit.

(Melina Thomas und Franziska Huber)

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Greselius-Gymn…
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