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Seminarfach „Europa“ in Brüssel und Paris:

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BBC 3 zwischen „One night in Paris“ und „Geschichte zum Anfassen“

- Entwickelt sich eine Schulpartnerschaft Bramsche-Biskupiec?

11 Schüler des Seminarfachs „Europa“ waren im Rahmen der Kursfahrt vom 4. bis zum 10. September 2011 unterwegs. Zusammen mit 19 Schülern der Zespól Szkól aus der polnischen Partnerstadt Biskupiec erlebten sie an sechs Tagen in Bramsche, Brüssel und Paris Begegnung, Gemeinschaft und Entspannung. Die Abkürzung „BBC 3“ bedeutet: Bramsche-Biskupiec-Conference Nr. 3.

Nach 2008 und 2010 kam es in diesem Jahr zum dritten Mal zu einer rund einwöchigen Veranstaltung beider Schulen der Partnerstädte. Darüber berichteten die Bramscher Nachrichten unter den Überschriften „Europa steht auf dem Stundenplan“ am 04.09.2011 und „Biskupiec-Bramsche-Brüssel und zurück“ am 13.09.2011. Auf der Homepage des Greselius-Gymnasiums sind beide Artikel und das Pressebild vom Empfang beim Europaabgeordneten Dr. Hans-Gert Pöttering unter entsprechenden Suchbegriffen auch später noch zu finden.

Mit den Planungen für die dritte Begegnung für Schüler der Oberstufe war bereits im August 2010 begonnen worden. Justyna Kalkowska und Detlef Neumann leiteten auf Augenhöhe auch die diesjährige BBC-Veranstaltung. Zusammen mit Regina Rudolf und Krzysztof Janczara war ein erfahrenes und gut eingespieltes binationales Team mit den 30 Schülern unterwegs.

Offizieller Beginn am Alfsee:

Zusammen mit Schulleiter Klaus-Jürgen Bock, seinem Kollegen Josef Jungmann und etlichen Mitgliedern des Bramscher Städtepartnerschaftsvereins wurde die Veranstaltung am 4. September in der Jugendherberge in Rieste am Alfsee eröffnet. Es wurde an dem Abend deutlich, dass nicht nur im Greselius-Gymnasium sondern auch in der Stadt Bramsche die Einbeziehung schulischer Arbeit in die Städtepartnerschaft für wichtig gehalten wird. Zusammen mit Franz Langelage, dem Geschäftsführer und 2. Vorsitzenden des Vereins zur Pflege von Städtepartnerschaften Bramsche e.V., waren neben dem neugewählten 1. Vorsitzenden Ulrich Mönkemeyer alle aktiven Mitglieder der Sektion Polen zur Tagungseröffnung gekommen.

Brüssel: Politik zum Anfassen und „echte“ Begegnungen                                                

Die Ereignisse vom 5. bis zum 9. September in Brüssel fasste ein Schüler aus Biskupiec zusammen: „Wir haben Europa durch echte Begegnungen erlebt!“ Zum Erleben gehörten auch Arbeitsphasen. Zu diesen zählten Präsentationen der Schüler in der Vertretung des Landes Niedersachen bei der EU, das tägliche „feed-back-and-looking-out-date“ abends im Hotel.

Ein hohes Maß an Authentizität kennzeichnete die Gespräche mit zwei Abgeordneten des Europäischen Parlaments: Zum einen mit Jolanta Emilia Hibner aus Polen und zum anderen mit dem früheren Präsidenten des Europäischen Parlaments Dr. Hans-Gert Pöttering aus Deutschland (Bad Iburg).

„Was macht die Big-Band in Bramsche?“

Dr. Hans-Gert Pöttering hatte während seiner Amtszeit als Parlamentspräsident am 09.02.2009 das Greselius-Gymnasium besucht. Damals hatten nach der gemeinsamen Veranstaltung mit der Schulgemeinschaft Schüler des Seminarfachs Europa die Diskussion mit ihm geleitet. Dabei überreichten sie ihm ein Exemplar des damaligen Jahrbuches der Schule.

Von den Bramschern erhielt Dr. Pöttering das Jahrbuch „Spectrum 2009“ mit dem Bericht über seinen Besuch in Bramsche und mit den Unterschriften aller 34 Teilnehmer auf der Umschlagseite. Dieses Jahrbuch ist auf dem Original des farbigen Pressefotos in den Händen des früheren Parlamentspräsidenten recht gut zu erkennen.

Dr. Pöttering fragte nun in Brüssel nach der weiteren Entwicklung der Schule und der Big-Band. (Glücklicherweise hatte Gerd Müller als Herausgeber des Jahrbuches „Spectrum“ für die Ausgabe 2010 eine Foto-Montage von Mitgliedern der Big-Band für die Umschlagsgestaltung ausgewählt. Vermutlich auch deshalb erinnerte er sich an die Konzerte der Big-Band mit Ilona Aumann in Straßburg 2001 und mit Kai Lünnemann in Bramsche 2009.)

Im Europäischen Parlament wurden Politik und Geschichte bei den Begegnungen mit den beiden Parlamentariern quasi erlebbar. Möglich wurde dies vor allem durch anschauliche Schilderungen sehr persönlicher Erlebnisse von Dr. Hans-Gert Pöttering und durch die engagierten Ausführungen seiner Parlamentarischen Referentin Ruth Adam.

Felix Nussbaum (aus Osnabrück) und Felka Platek (aus Warschau)

Mit einer dunklen Phase europäischer Geschichte wurden die Besucher des EU-Viertels am Haus mit der Nummer 22 in der Rue Archiméde konfrontiert.

Die Nr. 22 ist Teil eines großen Gebäudekomplexes mitten im EU-Viertel, nur 200 m nördlich vom Gebäude der Europäischen Kommission (Berlaymont-Gebäude) bzw. 300 m nördlich vom Place Schuman gelegen. Früher befand sich dort ein Reihenhaus. 1937 bis 1941 gab es in jenem Haus eine kleine Flüchtlingswohnung im zweiten Stock und dann bis 1944 ein Versteck auf dem Dachboden. In beiden Quartieren lebte ein polnisch-deutsches Ehepaar: Die Kunstmalerin Felka Platek aus Warschau und der Kunstmaler Felix Nussbaum aus Osnabrück. Beide wurden kurz vor der Befreiung Brüssels durch die Alliierten verraten. Sie wurden in Auschwitz ermordet.

Über die Brüssel Zeit dieses deutsch-polnischen Ehepaares haben Schüler der Internationalen Deutschen Schule Brüssel Nachforschungen angestellt und einen Film gedreht. Das ZDF berichtete von dem Projekt und dem Film. Dieser Film und ein preisgekrönter Beitrag für einen Bundeswettbewerb mit dem Titel „Felix Nussbaum im Exil in Brüssel – eine Spurensuche.“ (vgl. www.denktag.de; dort: Beiträge 2008-2009) werden in Biskupiec und in Bramsche zur Nachbereitung einzelner Aspekte der Tagung verwendet.

Für etliche BBC-Teilnehmer war diese unerwartete Art einer Begegnung mit der Geschichte an den kupfernen Erinnerungstafeln an der Hauswand in der Rue Archiméde 22 eine sehr wichtige und kostbare Erfahrung.

Brüssel-Touri-Touren, Pralinen, Paris u.s.w.

Neben Arbeit und Nachdenklichkeit kam das Vergnügen nicht zu kurz:

Durch die günstige Lage des Hotels mitten in Brüssel waren touristische Ziele wie „Grand Place“, „Manneken-Pis“, „Musée du Cacao et du Chocolat“ oder „Koninklijke Sint-Hubertusgalerijen“ in wenigen Minuten zu erreichen.

Auch durch angenehme Erlebnisse zwischen Eifelturm und Notre Dame beim neunstündigen Aufenthalt bei der Tagestour nach Paris wurden Erwartungen im Zusammenhang mit einer Kursfahrt erfüllt, die mit Entspannung oder „Chillfaktor“ beschrieben werden. (Vgl. dazu den Bericht von Christoph Beutler: Odpreszac w Polska - Chillen in Polen; in: Spektrum 2010, S. 70-73.) Nach einer Stadtrundfahrt und einer „Reise“ durch Europa im Mini-Europa-Park unter dem Atomium gab es am 9. September zum letzten Mal Lunch in Belgien.

Letzte Station im Königreich: Ausgerechnet eine Schule

Am letzten Tag im Nachbarland wurde im Freizeitbereich der Internationalen Deutschen Schule Brüssel eingekehrt. Zugegeben, es war eine Schule, aber sie lag ganz in der Nähe der „richtigen“ Autobahn, auf die alle gerne vor dem Freitagstau gelangen wollten. In der Schule wurden die BBC-Teilnehmer vom deutsch-belgischen Künstler Heinz Zimmer und dem neuen Schulleiter Jürgen Langlet und seiner Stellvertreterin Rita Haurenherm empfangen. Als einer der beiden Mentoren und Koordinatoren des damaligen Projektes in Brüssel „Felix Nussbaum im Exil in Brüssel…“(s.o.: „Bis 1944 in Brüssel“ und vgl. www.denktag.de; Beiträge 2008-2009) hatte Heinz Zimmer diese letzte Rast im Königreich Belgien ermöglicht.

Abschlussfest in Achmer

Zwei Schülergruppen aus zwei europäischen Ländern wuchsen während der Kursfahrt zusammen. Dazu waren in der Woche in Brüssel viele kleine Schritte notwendig. Dadurch entwickelten sich Mut zur Begegnung und die Erkenntnis, wie bereichernd persönliche Kontakte sind.

Beim Abschlussabend am 9. September in der Dorfgemeinschaftsanlage Achmer wurde deutlich: 30 aufgeschlossene junge Europäer, vier flexibel steuernde Begleiter und zwei herzensgute, umsichtige Busfahrer waren zu einer Gruppe zusammengewachsen. Etwas verschämt nahmen die deutschen Teilnehmer die reich gefüllten Taschen mit den Gastgeschenken aus Biskupiec entgegen und ließen sich staunend Freundschaftsbänder umbinden.

Dank an Stiftung, Städtepartnerschaftsverein und mutige Schüler

Gedankt wurde und wird für die finanzielle Förderung der BBC-3-Veranstaltung. Justyna Kalkowska bedankte sich zusammen mit ihrem deutschen Partner im Leitungsteam bei den Mitarbeitern in der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit (SdpZ) und bei dem Vorstand und dem Präsidium der Stiftung für die Förderung. Sie dankte auch den erfahrenen und engagierten Frauen und Männern vom Bramscher Verein zur Pflege von Städtepartnerschaften für die umsichtige Hilfe. Allen Schülern zollte sie Respekt für deren Bereitschaft, sich auf Risiken und Nebenwirkungen echter und persönlicher europäischer Begegnungen eingelassen zu haben.

Privatquartiere für die Gäste

Den Worten seiner allseits sympathisch bezeichneten Teampartnerin konnte Detlef Neumann von deutscher Seite nur noch den Dank an die Eltern für die Bereitstellung von Nachtquartieren für die letzte Nacht hinzufügen. Und schließlich dankte er unter dem tosenden Beifall aller Schüler Regina Rudolf. Als Lehrerin und Sprachwandlerin hatte sie auch diese BBC-Veranstaltung sehr konzentriert und sehr engagiert begleitet.

„Biskupiec-Bramsche-Brüssel und zurück“ 

Erst gegen Mittag verließen die Gäste aus Biskupiec am 10. September Bramsche. 16 Stunden später kamen sie am Sonntag früh morgens in ihrer Heimatstadt an. „Biskupiec-Bramsche-Brüssel und zurück“ titelte Holger Schulze in den Bramscher Nachrichten in der folgenden Woche am 13. September treffend den Bericht über die Schülerbegegnung.

Bisherige Kontakte zwischen dem GGB und Biskupiec:

Zu erinnert ist an die Vorarbeit im Greselius-Gymnasium, die zum Beispiel Dieter Wascher und Gabriele Schröder-Ernst in den Jahren 2004 und dann Detlef Neumann mit Monika Anders-Hörnschemeyer und Sebastian Bröcker 2007 im Rahmen von BBC 1 geleistet haben.

Rund um Himmelfahrt 2011 kam die BBC-Koordinatorin Justyna Kalkowska aus Biskupiec zu einem offiziellen Besuch in das Greselius-Gymnasium. Sie gab Grüße ihres Schulleiters weiter und warb für die Kooperation mit ihrem Lehrerkollegium. Schulleiter, Kollegium, Eltern und Schüler in Biskupiec würden einen jährlichen Lehrer- und Schüleraustausch im Rahmen von Partnerschafts- und Austauschprogrammen in jeder Hinsicht aktiv unterstützen.

Weitere Pläne: „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“

Die Nachbereitung der Tagung und Kursfahrt läuft im Seminarfach „Europa“ an. Unter anderem werden Kapitel aus dem Buch der früheren Brüsseler Spiegel-Redakteurin Marion Schreiber „Stille Rebellen“ kreativ gestaltet oder umgeschrieben. Schreiber berichtet packend von Erlebnissen junger Menschen während der Besatzungszeit, von Courage, von Verrat und von dem Überfall auf den schwer bewachten 20. Deportationszug nach Auschwitz durch drei junge Männer in der Nähe von Brüssel am 19.04.1943.

Tobias Stich wird voraussichtlich wie 2010, damals zusammen mit Frank Fasterding, vom Standquartier Olsztyn aus 2012 mit einer Schülergruppe erneut zu einem Besuch in die Partnerstadt Bramsches reisen. Dabei wird er vielleicht wieder von Andrea Watermann unterstützt werden (vgl. dazu den o. erw. Bericht in: Spectrum 2010, S. 73: „…die coolsten Lehrer...“). Schüler eines neuen Europa-Seminarfachs werden erst 2013 wieder, und dann im Rahmen von BBC 4, Direktkontakte mit der Zespól Szkól Biskupiec aufnehmen können.

Das Motto der BBC-Veranstaltungen war und ist: „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“ (vgl. Spectrum 2010, S. 105). Dieses Zitat wird vermutlich auch weiterhin die Bemühungen begleiten, wenn es um eine Erweiterung der kommunalen Partnerschaft von Bramsche und Biskupiec im Bereich der Schulen geht. Im Bramscher Rathaus wurde schon gefragt: Wird es bald eine erste Schulpartnerschaft Bramsche-Biskupiec geben?

 

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Zu Besuch beim ehemalige Präsidenten des Europäischen Parlaments Dr. Hans-Gert Pöttering, MdEP. Er hält übrigens „unser“ Spectrum-2010-Heft in den Händen.

Berichte der Bramscher Nachrichten über die achttägige Tagung mit Schülern der Partnerstädte Bramsche und Biskupiec befinden sich hier und hier